Trennung nur mit Schokolade

Bei Familie Friedrich in Felmerholz kommen kuschelige Hüte- und Familienhunde zur Welt

Felm. Wäller, so werden nicht nur die Bewohner des Westerwaldes genannt, sondern seit 1994 auch eine Hunderasse. Man mische Briard und Australien Shepherd, und heraus kommt ein Hüte- und Familienhund mit zotteligem Fell, der auch Familie Friedrich in Felmerholz begeisterte. Die Wäller vom Dänischen Wohld stammen aus ihrer Zucht.

 

Von Friederike Hiller (Kieler Nachrichten vom 31. Mai 2014)

Jedem Friedrich seinen Wäller: Laura mit Kiwi, Denise mit Luna und Jens mit Murmel, Foto: © F. Hiller
Jedem Friedrich seinen Wäller: Laura mit Kiwi, Denise mit Luna und Jens mit Murmel, Foto: © F. Hiller

 

„Ich wollte eigentlich nie einen Hund“, stellt Denise Friedrich amüsiert fest, während Luna (9), Kiwi (6) und Murmel (2) unter dem Esstisch im Wohnzimmer herumwuseln und erwartungsfroh ihre Köpfe zum Kraueln hervorstrecken. Die 42-jährige Onlineredakteurin ließ sich erst erweichen über ein Haustier nachzudenken, als sie zusammen mit ihrem Mann, Gymnasiallehrer Jens (42) und Tochter Laura (19) nach Felmerholz zog und Haus und Garten viel Platz boten. „Und dann wollte ich eigentlich eine Katze“, sagt die Katzenhaarallergikerin, die diese Idee schnell wieder verwarf."

"Auf ihrer Suche nach der passenden Hunderasse stießen die Friedrichs auf die Wäller. „Sie haben nicht so viel Jagdtrieb, sind aktiv aber nicht überdreht“, erklärt Denise Friedrich die Vorzüge. In der Villa Kunterbunt an der Schlei sahen sie sich Welpen an. „Die angedrückte Nase von Luna war so hässlich und sie sah aus wie ein Hängebauchschwein“, berichtet Laura von ihrem ersten Eindruck. Doch Denise Friedrich ließ sich nicht beirren, sie fand Luna süß. Kaum hatte sich die Hündin eingelebt, war die Familie im Wällerfieber und wollte noch eine zweite Hündin. So kam die Idee auf, eine eigene Zucht aufzubauen. „Wällerzüchter sind alle Hobbyzüchter, die aus Liebe zur Rasse und zum Hund züchten“, erklärt sie begeistert."

Immer in Aktion: Die Wäller der Familie Friedrich, Foto: © F. Hiller
Immer in Aktion: Die Wäller der Familie Friedrich, Foto: © F. Hiller

"Aus dem ersten Wurf von Luna mit 14 Welpen behielt die Familie Kiwi. Sie wurde Lauras Hündin. Ein weiterer Wurf von Luna folgte, dann einer von Kiwi. Daraus ging Murmel hervor, die nun unter Jens Friedrichs Obhut fällt. Nach insgesamt drei Würfen und 29 Welpen denken die Friedrichs über einen nächsten Wurf im kommenden Jahr nach. „Dann werde ich wieder meinen Jahresurlaub nehmen“ so Denise Friedrich, die darauf achtet, dass jede Hündin nicht mehr als zwei Würfe hat."

"Die Hälfte des Wohnzimmers wird abgetrennt. Hier ist Hundezone. Ein Lager steht für Hündin und Welpen bereit. In den ersten vier Wochen ist es relativ ruhig, Denise Friedrich verlegt ihren Schlafplatz ins Wohnzimmer und ist 24 Stunden am Tag für die Hunde da. Dann werden die Welpen aktiver. „Wir sind gefordert, ihnen die Welt zu zeigen.“ Zudem kommen immer mehr Besucher und „je größer die Welpen werden, desto mehr müssen wir putzen“, rümpft Laura mit einem Grinsen die Nase. Vier Mal am Tag werden die kleinen Hunde gefüttert, ihnen wird der Garten gezeigt. Sie lernen Gegenstände wie Flatterbänder, Geräusche, andere Tiere und Menschen aller Altersklassen kennen. „Und einmal müssen sie die Ostsee gesehen haben“, sagt Jens Friedrich. Mit den Welpen am Strand ist die Familie eine Attraktion. Generell sei das Interesse an den jungen Hunden groß. „Wir haben das Glück, dass wir immer mehr Interessenten als Welpen haben“, so Denise Friedrich, die sich schon jetzt über Bewerber für einen nächsten Wurf freut. „Ich würde es lassen, wenn ich nicht wüsste, dass ich alle gut unterbringe“, erklärt sie. Nach sieben bis acht Wochen ist es soweit, dann wird es Zeit, die Tiere abzugeben. Jede einzelne Trennung sei schwer. „Dann brauche ich Unmengen an Schokolade.“

Luna balanciert Leckerlis, Foto: © F. Hiller
Luna balanciert Leckerlis, Foto: © F. Hiller

"Nach zehn Jahren mit Hund im Haus kann sich keiner der Friedrichs mehr ein Leben ohne vorstellen. Die Aufmerksamkeit der Familienhunde haben sie genutzt und ihnen verschiedene Tricks, wie das Balancieren von Leckerlis auf der Nase beigebracht. „Nur Murmel ist eine Schlaftablette“, beschwert sich Jens Friedrich mit einem Augenzwinkern. Und als er die Frisbeescheibe hervorholt, beweist Murmel, dass sie auch anders kann und flitzt ebenso schnell wie Kiwi und Luna über den Rasen.